STECKBRIEF

Geboren am 08.09.1157 in Oxford, UK, als drittältester Sohn von Heinrich II (Henry II), König von England, Herzog der Normandie, Graf von Anjou und Eleonore von Aquitanien (Eleanor of Aquitaine). Gestorben am 06.04.1199 in Limousin, Frankreich.

Weitere Geschwister: Wilhelm, Heinrich, Matilda, Geoffrey, Eleonore, Johanna und Johann (Johann Ohneland - John Lackland).

Aufgewachsen am Hof von Poitou, der Heimat der Mutter, verbringt er von 42 Lebensjahren ganze 6 Monate in England.

Wird mit 12 Jahren bereits Herzog von Aquitanien. Sein älterer Bruder Heinrich soll später König von England werden.

Verlobt mit Alice von Frankreich, die Verlobung wird nach 20 (!) Jahren gelöst.

Verheiratet mit Berengaria von Navarra. Keine anerkannten Kinder.

Die Eltern

 
Eleonore

Eleonore von Aquitanien

Eleonore (*1121- +1201) war in 1. Ehe mit Ludwig VII., dem König von Frankreich, verheiratet und wurde von diesem verstoßen. Die europäische Heiratspolitik zwang sie, die französische Krone gegen die englische einzutauschen. Stop: wie das in der Geschichte und überhaupt im Leben so ist... auch diese Geschichte kann man anders erzählen!

Also nochmal anders:
Angeblich war Ludwig VII. nicht manns genug für das intelligente Vollblutweib Elenore, die ihm kurzerhand die Hörner aufsetzte und offen maulte "Ich habe einen Mönch geheiratet, keinen Mann!"

Immer noch nicht einig? Dann noch mal anders:
Ludwig VII. war nach zeitgenössischen Berichten schwer verliebt in Eleonore, diese aber nicht in ihn. So lange er tat, was sie wünschte - Kriege zum Schutz ihres Besitzes - harmonierten die beiden Eheleute; als Ludwig VII. sich jedoch in Abt Suger einen kirchlichen Ratgeber suchte, begann Eleonores Stern am franzöischen Hof und in der Gunst ihres Mannes zu sinken - zumal sie nur 2 Töchter geboren hatte.

Jedenfalls ließen sich die Eheleute scheiden und statt sich in Ruhe nach Aquitanien zurück zu ziehen und die Früchte ihres Wohlstandes zu genießen, angelte sich Eleonore in einem politischen Coupe ohne gleichen den 11 Jahre jüngeren, angehenden König von England, Heinrich Platagenet, den mächtigsten Vasallen ihres Ex-Ehemannes, und gebar ihm trotz ihres damals schon "ansehnlichen" Alters von 30 Jahren noch 8 Kinder, davon 5 stramme Söhne.

Aber ganz erloschen die persönlichen Beziehungen an den französischen Hof nie und daher schickte Eleonore ihre jüngeren Söhne zur Erziehung an den Hof Ludwigs, ihres Ex. Natürlich schürte dieser gerne die Zwistigkeiten innerhalb der Familie Anjou-Platagenet (also des englischen Königshauses), machte ihm dieses doch seinen Anspruch auf ganz Frankreich recht eindrücklich streitig.

Um Eleonore ranken sich zahllose Geschichten. Bemerkenswert ist, dass sie der Nachwelt aus einer Zeit, in der Frauen außer zum Verheiratetwerden wertlos waren, zumindest als "Königin der Troubadoure" in Erinnerung geblieben ist. Außerdem war sie die einzige Frau, die regulär 2 verschiedene Königinnenkronen trug.

Heinrich II.

Version 1:
Heinrich II. ist Richard, der Lieblingssohn seiner Frau, ein Dorn im Auge. Zusammen mit seinem eigenen Lieblingssohn (der ebenfalls Heinrich heißt) und dem späteren Intimfeind Richards - dem künftigen französischen König Philip II. - zettelt er einen kleinen Krieg gegen Richard an, in dessen Verlauf ungeschickterweise Heinrich jun. stirbt.

Version 2:
Heinrich II. sieht in seinem Erstgeborenen Heinrich jun. den idealen Erben für sein expandierendes Königsreich. Leider unterschätzt er den Einfluß Eleonores auf alle ihre Kinder, als er sich - seiner doch schon älteren Frau überdrüssig - die "schöne Rosamunde" als Liebchen hält und deren ungeklärten Tod (vermutlich ein Krankheitsfall) als Grund benutzt, die Beziehungen zu Eleonore auf das nötigste zu reduzieren. Wieder einmal zieht sich Eleonore zurück nach Aquitanien und setzt alle ihre Kraft daran, die Erblande ihrer Kinder zu stärken. Während im sonnigen Aquitanien die Kinder ein heiteres Leben am Hof führen, sitzt Heinrich II. griesgrämig in England. Er wird grausam und unbeherrscht; damit schmiedet er die Allianz seiner Kinder gegen ihren Vater noch enger. Eleonore setzt alles - im Hintergrund die Fäden ziehend - alles auf eine Karte und zettelt an allen Ecken von Heinrichs Reich kleinere Aufstände und Rebellionen an. Heinrich II. schlägt jedoch alle Aufstände nieder und setzt Eleonore im von ihr ungeliebten England fest. Während der Turbulenzen erkrankt sein Erbe Heinrich jun. und verstirbt im Alter von 28 Jahren innerhalb weniger Tage. Heinrich II. hat sein Reich gerettet, die ungeliebte Frau ist quasi seine Gefangene - nur dass er jetzt keinen ihm genehmen Erben hat.

Heinrich sen. weigert sich zeitlebens, Richard die Erberklärung auszusprechen, statt dessen versucht er, Zwistigkeiten zwischen Richard und dessen jüngerem Bruder Johann - den späteren "John Lackland" - "Johann Ohneland" zu säen. Dennoch wird Richard nach dem Tod des Vaters am 03.09.1189 in Westminster zum König eines Reiches gekrönt, das von Schottland über das französische Festland bis fast nach Spanien reicht.

Aufbruch ins Ungewisse

Seit der deutlichen Niederlage des Kreuzfahrerheeres im Jahr 1187 in der Schlacht von Hattin gegen Sultan Saladin ist Richard von dem Eifer erfasst, das Heilige Land für die Christen zurück zu gewinnen. Papst Urban II. schürt seinen Ehrgeiz. Richard ist klar, dass er diesen Kreuzzug nicht ohne Philip II. und die Unterstützung des übrigen Europas führen kann. Philip seinerseits hält nicht besonders viel von der christlichen Eiferei, will jedoch seinen guten Ruf wahren. Eine wahrhaft unheilige Allianz nimmt ihren Lauf, als das vereinte Kreuzfahrerheer am 04.07.1190 aufbricht.

Philipp II. unterlässt während des Kreuzzuges keine Gelegenheit, gegen Richard Stimmung zu machen. Unglücklicherweise für Richard ertrinkt mit dem Stauferkönig Friedrich Barbarossa auch noch ein erhoffter Verbündeter beim Baden in Kleinasien; dessen Heer erreicht den Kreuzzug erst gar nicht. Mit von der Partie ist außerdem noch der österreiche Herzog Leopold V., ein Freund Philips II.

Die Allianz der Kreuzfahrer zerbricht nach der erfolgreich beendeten Belagerung der Festung Akkon. Anlass ist eine Nichtigkeit - Leopold V. beansprucht einen Großteil der Beute, die ihm gemessen an seinem Anteil am Erfolg gar nicht zusteht. Leopold V. verlässt das Heilige Land, nur 3 Tage später folgt ihm Philip II. Richard bleibt zurück, um die Kapitulationsbedingungen Akkons mit Sultan Saladin alleine auszuhandeln. Saladin kann - oder will - Richards Forderungen nicht erfüllen. Richards Antwort ist brutal: er lässt über 2.000 Gefangene niedermetzeln.

Richard gelingt es in den folgenden Jahren, Saladin in Schach zu halten, doch das erklärte Ziel - die Rückeroberung Jerusalems - bleibt ihm verwehrt. Am 02.09.1192 wird ein Abkommen geschlossen, das die eroberten Gebiete den Kreuzfahrern zuspricht, Saladin aber erhält Jerusalem.

Am 09.10.1192 verlässt Richards Schiff den Hafen von Akkon.

Heimkehr ins Ungewisse

Die politischen Gegner Richards waren nicht untätig - er steht innerhalb Europas alleine trotz seiner Teilerfolge im Kreuzzug. Sein jüngerer Bruder Johann/John versucht mehrmals, sich in Richards Abwesenheit selbst zum neuen König auszurufen. Ihn erwarten also gewaltige Herausforderungen - nur kommt Richard nicht so schnell nach Hause, wie er sich das vorgestellt hat. Denn wo in Europa soll er landen? Etwa an der französischen Mittelmeerküste? Philipp II. wartet doch nur darauf, sich Richard zu schnappen.

Richard beschließt, den Weg von der Adriaküste über Österreich/Böhmen an die Ostsee zu nehmen. Leider gerät er in Österreich in Leopolds Hände, der ihn wiederum an seinen neuen mächtigeren Verbündeten - den dt. Kaiser Heinrich VI. - übergibt. Dieser lässt Richard auf der Burg Trifels gefangen halten, wo er allerdings wie ein Staatsgast behandelt wird. Nach zähem politischen Ringen ässt Heinrich VI. Richard I. im Februar 1194 und der Zahlung eines enormen Lösegeldes ziehen.

Richard "bedankt" sich für die Gefangennahme auf seine Weise - er unterstützt seinen Neffen Otto in seinen Bemühungen, als deutscher Gegenkönig gekrönt zu werden, woraufhin ein Bürgerkrieg in Deutschland entbrannt. Nette Rache an Heinrich VI.

Richard privat

Richard war weder der strahlende Held noch der brutale Kriegsherr, sondern ein Herrscher, der zeitlebens an mindestens zwei Fronten kämpfte - ob innerhalb der eigenen Familie oder in den mittelalterlichen Machtspielchen. Sein Privatleben blieb dadurch auf der Strecke... oder wurde Opfer des politisch Notwendigen. Das Gerücht, Löwenherz sei homosexuell veranlagt gewesen, ist historisch nicht belegt. Nachgewiesen ist jedoch, dass er hervorragend Latein konnte und sich sehr für die Lied- und Dichtkunst einsetzte, wahrscheinlich das Erbteil seiner Mutter.

Richard I

Das Grabmal Richards in der
Abtei von Fontevraud

Richards Verwegenheit - von manchen Forschern auch als "Todessehnsucht" interpretiert - verschaffte ihm den Beinamen "Löwenherz", kostete ihn aber schließlich das Leben, als er sich bei einer Belagerung der Burg Chalus (bei Limousin, Frankreich) am Abend des 26.03.1199 zu weit aus der Deckung wagte, von einem einzelnen Pfeil in der Schulter getroffen wurde und nach 11 Tagen schließlich an den Folgen dieser Schusswunde (und manche sagen: am Pfusch seines Arztes) am 06.04.1199 und somit 2 Jahre vor seiner Mutter starb.

   

Johann Ohneland - John Lackland (1167 - 1216)

Richard hatte seinen jüngeren Bruder vor dem Aufbruch zum Kreuzzug mit einer gehörigen Vollmacht für England ausgestattet. John versucht, die Macht vollständig an sich zu reißen, indem er behauptet, Richard sei getötet worden. Er wendet sich an den schottischen König Wilhelm, doch dieser winkt dankend ab. Daraufhin versucht John, Unterstützung aus Flandern zu erhalten, doch er hat die Rechnung ohne seine inzwischen greise Mutter Eleonore von Aquitanien gemacht, die wie eine Löwin für ihren abwesenden Lieblingssohn kämpft, und Johns Bemühungen zunichte macht.

John Ohneland

Leute, die sich länger, ausführlicher und gründlicher mit der Materie beschäftigt haben, sind zu dem Schluss gekommen, dass

a) die Krone Richards nie ernsthaft gefährdet war.

b) Johann/John ein besserer König gewesen wäre als sein niemals anwesender Bruder. Er war keinesfalls der schwächliche Tyrann, den die Geschichtsschreibung aus ihm machte, und der die Entstehung eines Volkshelden wie Robin Hood gerechtfertigt hätte. Auch hat der Sheriff von Nottingham wohl nicht in Johns Auftrag das Land während der Abwesenheit Richards ausgeplündert...

Nach dem Tod seines Bruders wähnt sich John mit der Besteigung des englischen Throns am Ziel seiner Träume: endlich König! Doch hat er ein schweres Erbe angetreten. England verliert seine Besitzungen jenseits des Ärmelkanals beinahe vollständig an Frankreich, und Johns Besessenheit, diese wiederzuerlangen - verbunden mit der Vernachlässigung Englands und der ständigen Forderung nach höheren Steuern - machen ihn in den Augen der Bevölkerung unbeliebt. Zudem legt er sich mit dem Papst in Rom an und wird schließlich sogar exkommuniziert. Die englischen Herzöge nutzen die Gunst der Stunde und zwingen John nach einem kleinen Aufstand, ihren Forderungen nach mehr Eigenbestimmung nachzugeben. Das Papier, das John unterzeichnet, wird später als Magna Carta in die Geschichte eingehen, mit dem der Grundstein zum englischen Rechts- und Freiheitsverständnis gelegt wird.

Saladin (1137 - 1193)

Eigentlich: al-Malik an-Nasir (König und Bewahrer des Glaubens) Salah ad-Din Abu'l-Muzaffer Yusuf ibn Ayyub ibn Shadi, auch "Nur ad-Din" (Licht des Glaubens).

Saladin war ein Kurde aus ärmlichen Verhältnissen, der beharrlich und rücksichtlos seine Karriere im Heer verfolgte und dessen Reich sich schließlich von den Ufern des Tigris (heutiger Irak) bis nach Tunesien erstreckte.

Nachdem Saladin die Gegner in den eigenen Reihen besiegt hatte, wandte er sich den Kreuzfahrern zu, die einen Küstenstreifen im Heiligen Land besetzt hielten. Sein größter Albtraum ein christlich besetzes Jerusalem, was er letzlich erfolgreich zu beenden wusste. Die Schlacht im Wüstensand von Hattin 1187 brachte die Befreiung Jerusalems von den christlichen Herrschern.

Saladin und Richard waren nach zeitgenössischen Berichten gleichwertige Gegner, die sich diesen Wert durchaus gegenseitig zugestanden, auch wenn sie sich nie begegneten - weder auf dem Schlachtfeld, noch während der Verhandlungen, die schließlich zum Abzug der Kreuzfahrer führten.

Richard in RoS

Zunächst erfüllt Richard alle Erwartungen der Zuschauer an das gängige Clichee... er ist alleine im Wald unterwegs, also tapfer, er ist stark und setzt sich im Ringkampf gegen Little John durch, er ist gerecht, denn er begnadigt die Outlaws - doch dann ändert sich das Bild, sobald Richard glaubt, Robin in der Hand zu haben.

Die Szenen in Nottingham zeigen das Bild des politischen Taktierers, des diplomatischen Staatesmannes, der die Outlaws nur benutzt, um das Establishment zu brüskieren und sich dann gegen Geld wieder mit den gleichen normannischen Edelleuten versöhnt, die das englischen Volk so erbarmungslos unterdrücken. König Richard ist es gleichgültig, dass es die Angelsachsen waren, die im wesentlichen das Lösegeld für ihn aufbringen mussten - statt dessen erhebt er gleich noch eine Kriegssteuer, um sich in der Normandie wieder mit dem französischen König herum schlagen zu können. Schließlich gibt er sogar den Mordbefehl gegen Robin, Marion, Much und Tuck.

Nach dem ersten Schreck über diese Darstellung des sonst so "gerechten Löwenherz" muss ich zugeben, dass auch diesmal die Serienautoren wahrscheinlich näher an der Wirklichkeit lagen als alle vor ihnen. Denn natürlich kann ein Mensch alleine gar nicht so gerecht gewesen sein, wie es von Löwenherz immer wieder behauptet wird.

Löwenherz war ein gewitzter König, der vielleicht eine Spur mutiger als die sonstigen hohen Herren war, aber er war immer Staatsmann genug, um ein Riesenreich zu leiten und sich gegen viele Feinde zu verteidigen. Schwer vorstellbar, dass er in einem Anfall von Gerechtigkeit die gesamte normannische Oberschicht in England hätte abservieren lassen sollen, um einem Wolfshead zu imponieren oder das englische Volk zu "befreien". Oder?

 

Links zum Thema:

Kessler, Ulrike: Richard I. Löwenherz. König, Kreuzritter, Abenteuer:
http://members.eunet.at/kessler

Château de Chalus: französische Seite über die Burg sowie Richards Spuren

Englische Page über Saladin: Snowlion2 (Vorsicht, nervige Backgroundmusic)

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