Greenwood Tarot Seminar am 10. und 11. März 2001,
mit Mark Ryan in Burlington, Iowa
Vorgeschichte:
ab 1991. London. Mark Ryan und Chesca Potter, eine Grafikerin, beginnen
mit der Arbeit an ihrem Greenwood Tarot. Chesca entwirft die Karten, Mark
sorgt für das Begleitbuch.
1996. London. Das Greenwood Tarot wird veröffentlicht. Das Set enthält
78 Tarotkarten, das Taschenbuch von Mark sowie ein Faltposter des Wheel
of the Year, die keltische Einteilung des Jahres aus der Zeit, bevor das
Christentum England eroberte. Die Neuerung, die Mark und Chesca mit dem
Greenwood Tarot einführen, ist die Verbindung zwischen den Tarotkarten
und den Ereignissen auf diesem Jahresrad.
Juni 2000. Chicago. Mark Ryan tourt durch die Staaten mit Eric Idle und
dessen Show "Eric Idle exploits Monty Python". Meine eMail-Bekannte
Joni, die 4 Autostunden von Chicago entfernt wohnt und einen Laden für
Esoterisches besitzt, besucht die Show und lädt Mark ein, ein Wochenendworkshop
über sein Tarot zu machen. Er zeigt Interesse.
September 2000. Mark sagt zu. Die Vorbereitungen laufen an. Beim Arbeiten
an der Homepage fürs Seminar, die mittlerweile nicht mehr existiert (obwohl
es mein bester Entwurf war!), denke ich das erste Mal "Warum sollte
ich eigentlich nicht mal in die USA fliegen? März 2001 wäre kein schlechter
Zeitpunkt." Ich habe zwar von Tarot keine Ahnung, aber in einem halben
Jahr ist einiges machbar...
Februar 2001. Das Seminar ist fast ausgebucht. Die ideale Teilnehmerzahl
liegt bei 22 (überhaupt scheint diese Zahl eine große Rolle
in der Mystik zu spielen...). Letztendlich sind 18 Teilnehmer angemeldet.
Ich habe mich mittlerweile zweimal durch das Begleitbuch zum Greenwoodtarot
gearbeitet und beschlossen, den Rest einfach auf mich zukommen zu lassen.
Zu fremd ist mir die Gedankenwelt, die hinter der keltischen Mythologie
und dem Tarotsystem steckt.
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Es ist soweit...
März 2001. Meine erste Amerika-Reise liegt vor mir. Ich werde Joni
treffen, die ich bisher nur vom Chatten und eMail-Schreiben kenne, und
ich werde Mark Ryan begegnen. Von beiden Menschen habe ich mir irgendwie
mein eigenes Bild gemacht... ob ich überhaupt ein Wort in Englisch herausbringen
werde? Ob Joni und ich uns auch persönlich gut vertragen werden? Ob ich
Mark - im schlimmsten Fall - wie ein dummer Fan anstarren werde? Jedenfalls
bleibt mir ein Tag Eingewöhnungszeit, bevor Joni ihn in Burlington erwartet.
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08.03.2001. Burlington, Iowa. Burlington ist eine kleine, übersichtliche
Stadt (28.000 Einwohner) in der Südostecke Iowas, direkt am Mississippi
gelegen, das andere Ufer gehört bereits zu Illinois. Die Strassen tun
genau das, was man von amerikanischen Strassen erwartet - sie stehen alle
rechtwinklig zueinander und sind schön durchnummeriert. Wozu brauchen
die Menschen hier eigentlich Stadtpläne?! Die Nachricht des Tages ist:
"Mark hat sein Flugzeug in LA verpasst!"
Mark nimmt den nächsten Flieger, und verpasst dadurch den Anschlussflug
von St. Louis nach Burlington. Was macht die praktisch denkende Amerikanerin?
"Wir holen ihn in St. Louis ab." Okay! Dabei handelt es sich
nur um einen Trip von 4 Stunden hin und 4 Stunden zurück. Kein Problem
im Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Und so komme ich also zu einem
Abenteuer auf dem Flughafen "Lambert", einem Abendessen mit
Joni und Mark in St. Louis und einer gnadenlos guten Unterhaltung auf
dem Heimweg. Keine Chance für mich, NICHT zu sprechen, wie ich immer befürchtet
hatte!
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09.03.2001. Heute steht ein Radiointerview mit KCPS (einem Lokalsender)
auf dem Programm, um nochmal mächtig die Werbetrommel zu rühren. Mark
beeindruckt den Moderator sichtlich, der sich "on air" die Karten
legen lässt und nur noch stammeln kann "You nailed me...". Den
Nachmittag verbringen wir angesichts des schönen Wetters mit einer Sightseeing-Tour
nach Fort Madison und Nauvoo, der ersten Siedlung der Mormonen im Mittleren
Westen. Ausklingen lassen wir den Abend in einer kleinen, lauten, rauchigen
Rennfahrerbar namens "Rhoederer's"... wir schaffen es trotzdem,
uns gut zu unterhalten...
10.03.2001.
Der erste Seminartag. Das Seminar (wie Joni es bezeichnet, Mark bevorzugt
Workshop) findet im relativ neuen Holiday Inn statt, das etwas
außerhalb der Stadt an der Interstate 61 liegt. Bis auf einen sind alle
Teilnehmer weiblich, und die Altersstreung reicht von Twen bis schätzungsweise
Mitte Fünfzig. Der Vormittag vergeht wie im Flug mit der persönlichen
Vorstellung jedes/r Einzelnen und was er/sie sich von diesem Seminar/Workshop
verspricht. Ich beanspruche für mich den Titel des sceptical observer,
denn ich kann mir immer noch keinen Reim auf Tarot machen, auch wenn wir
am vorangegangenen Abend ein Marathongespräch über die Seminarinhalte
und Gott-und-die-Welt hatten. Im Verlauf des Tages festigt sich mein Eindruck,
dass Mark eine unendliche Quelle des Wissens ist. Ich bin weder auf den
Mund gefallen (nicht mal in Englisch) noch ungebildet, aber ich erreiche
eindeutig die Grenzen meines Verstandes. Eine in erster Linie unangenehme,
aber sehr nützliche Erfahrung, um mal wieder alles ins rechte Bild zu
rücken.
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Mark deckt an diesem Vormittag folgende Themen ab:
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Die Relativitätstheorie, und warum Albert Einstein
sie nicht erklären konnte
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Quantenmechanik, und warum Partikel sich nicht physikalisch
voneinander trennen lassen (wollen); ein Zitat von Mark in diesem
Zusammenhang: "Scientists explain what spiritual people simply
accept."
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C. G. Jungs
Theorie über die Synchronizität von Ereignissen (nichts passiert ohne
Grund, selbst wenn wir diesen nicht sofort erkennen).
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Außerdem noch den blind spot des menschlichen Auges, an dem der Sehnerv
mit der Retina verbunden ist. Dort sieht das Auge tatsächlich nichts,
aber das Gehirn setzt aus den übrigen Informationen das fehlende Stück
ein, damit es ein Gesamtbild erzeugen kann. Ein wunderschöner Vergleich,
der sich auf viele menschliche Verhaltensweisen übertragen lässt. Es fehlt
ein Stück? Macht nichts, wir tun einfach so, als wäre alles da...
Wir gehen alle zusammen zum Mittag, und beim Essen denke ich mal wieder
"Wo bin ich hier eigentlich hineingeraten?", denn die anderen
Teilnehmer sprechen über die Geister in ihren Häusern, als ob das die
normalste Sache der Welt wäre. Manche stellen für ihre guten Geister Kerzen
in die Fenster, manche berichten von Kobolden, die immer wieder die gleichen
Schranktüren aufmachen würden, eine Frau erzählt, sie sei wegen der bösen
Geister aus ihrem alten Haus ausgezogen... ich sitze mit offenem Mund
daneben und frage mich einen Moment lang, in was ich da eigentlich hineingeraten
bin...!
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Am Nachmittag geht es mit der Dia-Präsentation der Karten des Großen
Arkana weiter. Dies sind 22 Karten, die innerhalb jeden Tarotdecks besonderes
Gewicht haben. Im Zusammenhang mit dem Arkana erklärt Mark auch das Ancient
Wheel of the Year und damit verbunden die keltische Mythologie. Auch über
Herne wird gesprochen, und ihn
findet man mehrmals in den Karten wieder, z.B. als The Ancestor, der Ahne.
Diese Karte ist der Schlüssel zur Meditation am nächsten Tag, da der Ahne
als Führer durch die Meditation genommen wird.
Im Lauf des Tages erklärt Mark mehrmals sein Weltbild. Er ist davon überzeugt,
dass es ein "universal consciousness", ein "universelles
Bewusstsein" gibt, das alles umfasst, nicht nur die Gedankenwelt
eines jeden Menschen, sondern alle Menschen, alle Lebewesen unseres und
jedes weiteren Planeten - eben das Universum...
... nichts passiert aus Zufall, sondern weil es einen Sinn hat. Hinter
den Sinn kann man nur kommen, wenn man Fragen stellt. Warum passiert das?
Hat das einen Grund? Im Prinzip trichtert Mark uns ein, nichts einfach
hinzunehmen, sondern immer eine Frage zu stellen. "Ask the question,"
ist sein Credo. Das Greenwood Tarot ist ein Weg, diese Frage zu stellen
und durch die Konstellation der Karten einen Hinweis auf die mögliche
Antwort zu finden - eine Antwort, die nicht vom Himmel fällt, sondern
die wir bereits in uns haben, aber möglicherweise bisher nicht sehen konnten
oder wollten (siehe "blind spot"). Mark hat ein wunderbares
Menschenbild, und ein bisschen von dieser Ehrfurcht vor dem eigenen und
dem universellen Bewusstsein färbt wohltuend auf mich ab, auch wenn mein
Verstand immer noch irritiert ist. Niemand soll blind an Dogmen (zB. päpstliche
Vorgaben) glauben, sondern immer hinterfragen, warum etwas so ist, wie
es ist. Mark erzählt seine Sicht der Bibel, bzw. das, was ursprünglich
Bestandteil des Alten Testaments war und das von Generationen von Kirchenmännern
"herausgeschrieben" wurde, nämlich dass Jesus Brüder und Schwestern
hatte, und dass einer seiner Brüder, Joseph von Arimathea, auf einer Pilgerfahrt
bis nach England kam und auf der Kloster-Insel von Glastonbury einen Rosenstock
pflanzte, der heute dort noch blühen soll und symbolisch dafür steht,
dass noch heute echte Nachfahren Jesu unter uns weilen (können).
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Auch die christliche Kirche selbst konnte sich dem Einfluss der alten
keltischen Götter im übrigen nicht entziehen... an vielen Kirchen Englands
(und nach Marks Angaben auch Deutschlands mit einem kleinen Seitenblick
in meine Richtung) sollen aussen Steinmetzarbeiten des "Greenman"
zu sehen sein, das Abbild einer keltischen Gottheit. Sogar die christlichen
Feste wurden über die "heidnischen" Festtage gelegt... das Wort
"Ostern" bzw. Englisch "Easter" kommt von der keltischen
Göttin "Eostra/Ostara", die für nichts anderes als das Erwachen
des Fortpflanzungstriebes im Frühling steht. Oder Samhain, der 01. November,
der in der alten Zeit den Beginn des Winters markierte, in dem man vom
unbeschwerten Leben draussen endgültig Abschied nahm und sich nach innen
wandte... was ist der Unterschied zum christlichen "Allerheiligen"?
Auch dort wird Abschied genommen von den Toten des letzten Jahres.
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Vieles Heidnische findet sich in der christlichen Kirche wieder, und
lässt sich dadurch begründen, dass das Christentum den Leuten erstmal
"schmackhaft" gemacht werden musste, indem man die alten Symbole
und Festtage übernahm und ihnen neue Namen und neue Bedeutung gab. Ein
alter Brauch, den die Kirche auch nach fast 2000 Jahren nicht abschaffen
konnte, ist im übrigen immer noch das, was am 30.04. bzw. 01.05. eines
jeden Jahres statt findet - die "Walpurgisnacht" mit der Vertreibung
der bösen Wintergeister und die "Beltane"-Feierlichkeiten, deren
Erfolg sich bei den Menschen i.d.R. nach 9 Monaten zeigt. :-)
Nach der Diashow ist auch schon Zeit, den ersten Tag zu beenden. Mark
bietet persönliche Readings an, und drei Damen melden sich. Er nimmt sich
sehr viel Zeit für jedes einzelne Reading; er kündigt auch an, dass er
außer dem Namen nichts von den Personen vorher wissen möchte, und dass
sie ihm ihre Frage(n) nicht mitteilen. Wir warten in der Hotellobby und
erleben dreimal das Phänomen, wie gelöst die Leute aus dem Reading mit
Mark kommen und wie präzise er aus den Karten lesen kann. Mein Verstand
versucht immer noch, die Informationsflut des heutigen Tages zu verarbeiten,
mit Etiketten zu versehen und in Schubladen unterzubringen, was nicht
immer funktioniert. Ich bin wieder auf meinem Skepsistrip und denke mir,
naja, klar, ich würde auch sagen, dass er toll war, ob er nun daneben
lag oder nicht. Obwohl... die anderen kennen ihn ja gar nicht als Schauspieler,
sondern nur als Autor und Seminarleiter. Hm. Vielleicht ist doch was dran?
Den Abend verbringen wir (Joni, Mark, Bob, Carol und ich) jedenfalls mit
einer wahren Essensschlacht und einem guten Chardonnay zum Abschluss.
Je mehr Chardonnay, desto lockerer werde ich ... aber lassen wir das ...
:-) Bevor ich ins Bett taumle, stelle ich mir die bange Frage, ob ich
es überhaupt schaffen werde, Mark um ein Autogramm für mich zu bitten...?
11.03.2001. Sonntag Morgen, kurz nach 9.00 Uhr... alle sind wieder gekommen
und schon gespannt, wie es weitergehen wird. Die lockere Atmosphäre dokumentiert
sich dadurch, dass wir die Stühle bei Seite räumen und im Halbkreis auf
dem Boden sitzen... bis auf Mark, der auf seinem Stuhl den Überblick behält
und wie alle heute Morgen etwas Anlaufzeit braucht.
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Nach 2 Bechern Kaffee legt er dann los. Er erklärt uns die Bedeutung
der Symbole auf den Greenwood Karten und ihre Entsprechungen im Rider-Waite-Tarot
(dem "klassischen" Kartensatz).
Arrows = thought process; der "Luft" zugeordnet (Rider-Waite:
Schwerter)
Stones = material; der "Erde" zugeordnet (Rider-Waite: Münzen)
Cups = emotional; dem "Wasser" zugeordnet (Rider-Waite: Kelche)
Wands = magical/spiritual; dem "Feuer" zugeordnet (Rider-Waite:
Stäbe)
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Anschliessend erläutert Mark uns den "Bow-Spread", die Art
des Auslegens der Karten. Mir bekannt war bisher nur das "Celtic
Cross". Im "Bow Spread" werden 7 Karten aufgedeckt; manchmal
auch eine 8., wenn noch Unklarheiten über die Bedeutung der vorhergehenden
7 bestehen. Wir sind eifrig bemüht, die Karten zu mischen, die erste Karte
(den "Significator" = das Problem, die Frage) zu ermitteln,
die restlichen Karten wieder zu mischen, drei Stapel zu bilden, diese
in umgekehrter Reihenfolge wieder aufeinander zu legen und dann die Karten
auszulegen. Die Karten 2 - 4 stellen uns selbst dar, die Karte 5 ist unsere
Motivation hinter unserer Frage, die Karten 6, 3 und 7 bilden zusammen
den Pfeil, der von dieser Motivation getrieben wird. Unsere ersten zaghaften
Interpretationsversuche führen teilweise zu Heiterkeitsausbrüchen oder
zu ernsthaften Grübeleien.
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Dann kommt das eigentliche Highlight des Tages... die "guided meditation",
die geführte Meditation. Geführt in dem Sinne, das wir nicht allein vor
uns hin meditieren, sondern Mark erzählt eine Geschichte und führt uns
durch die Karten einmal rund um das Jahresrad. Wir ziehen aus dem Großen
Arkana Karten und werden entsprechend dieser Karte im Kreis verteilt.
Ich als Greenman bin im Hochsommer zu finden; ein tröstlicher Gedanke.
Es hätte auch "The Guardian" werden können: ein hoch aufgerichtetes
Bärenskelett vor einer dunklen Höhle. Also, ich bin mit meiner Position
auf "12 Uhr" des Jahresrades zufrieden und überlasse mich Marks
Stimme, die uns aus der Zivilisation des 21. Jahrhunderts in einen uralten
Wald entführt, durch Bäume, über verschlungene Pfade. Der "Ahne"
begleitet uns dabei, damit wir uns nicht allein fühlen. Ich kenne Meditationen,
deshalb habe ich keine Schwierigkeiten, los zu lassen und mich ganz den
Bildern in meinem Kopf zu widmen. 2 Stunden (in Worten: ZWEI Stunden)
dauert die Meditation, die für mich wie im Flug vergehen. Schade für die,
bei denen es nicht klappt; sie schlafen im günstigsten Fall entweder ein
(was man an einem leisen Schnarchen hören kann) oder sind die ganze Zeit
unruhig.
Die Mittagspause fällt recht kurz aus, nachdem wir alle von unseren Meditationserlebnissen
berichtet haben. Der Nachmittag ist den Karten des Kleinen Arkana gewidmet,
die Mark wieder als Dias vorstellt. In der letzten Kaffeepause schleichen
sich ein paar der Kursteilnehmerinnen ehrfurchtsvoll an Mark heran und
bitten ihn, ihre Greenwoodbücher zu signieren. Ich grinse still in mich
hinein, denn den Ladies ist deutlich anzusehen, dass ihnen im Verlauf
der beiden Tage aufgegangen ist, dass sie es hier nicht nur mit einem
Tarot-Kenner und Buchautoren zu tun haben; Mark hat sehr unaufdringlich
seine Erfahrungen im Filmgeschäft einfließen lassen, und so ist die ungezwungene
Kumpelhaftigkeit teilweise etwas der Ernsthaftigkeit gewichen. Trotzdem
haben wir uns alle miteinander wohlgefühlt.
Auch heute legt er wieder für 3 Kursteilnehmerinnen die Karten. Ich kann
mich (noch) nicht dazu überwinden. Joni und ich diskutieren über das Warum
und Wieso, während wir in der Hotellobby auf ihn warten. Die Resonanz
der WorkshopteilnehmerInnen ist wiederum durchweg positiv, auch sein Angebot,
dass ihm jede(r) seine/ihre Erfahrungen nach einiger Zeit durch Joni zu
kommen lassen soll, wird begrüßt.
12.03.2001. Geburtstag für Joni und Abreisetag für Mark. Joni überrascht
mich damit, dass sie mich zu einem Reading mit Mark überredet;, das stattfindet,
bevor wir vom Hotel in Richtung Flughafen aufbrechen. Für mich ein tolles
Erlebnis. Jedenfalls habe ich das Gefühl, ich würde einen alten Bekannten
verabschieden, als Mark in den Flieger einsteigt. Und ich habe es sogar
geschafft, ihn noch um das Autogramm zu bitten, natürlich mit einer angemessenen
Entschuldigung so nach dem Motto "Lass' uns den Fanquatsch ganz schnell
hinter uns bringen!". Danach ist erst mal die Luft raus... ich glaube,
in den folgenden beiden Nächten schlafen wir länger als in der ganzen
Woche davor zusammen...
13. - 21.03.2001. Der Rest des Trips plätschert nach diesem Höhepunkt
so vor sich hin. Fast jeden Abend treffen sich ein paar der Leute, die
auf dem Seminar dabei waren, bei Joni und wir quatschen über das, was
uns bewegt und wie bzw. ob dieser Workshop irgendwelche Auswirkungen auf
unser Leben haben wird... natürlich sagt mein Verstand immer mal wieder
"Die spinnen, die Amerikaner!", aber eigentlich gefällt mir
dieser Trip ins (Unter-)Bewusstsein und die eigene Wahrnehmung ziemlich
gut... auch wenn sich vieles davon nicht unbedingt in den Alltag umsetzen
lässt.
18.03.2001. Chicago, Illinois... windy city and city of the blues... wow,
so sieht also Amerika aus, denke ich. Nach fast 2 Wochen auf dem Land
(Burlington hat wie gesagt 28.000 Einwohner in der Mitte von Nirgendwo
- Chicago hat 2 Millionen Einwohner, wenn man das Umland mitzählt, sogar
8 Millionen) fast ein Kulturschock. Wolkenkratzer, Taxis (Burlington hat
ganze 2 Stück!) und endlich Menschen auf der Straße! Ein Muss für jeden
Touri wie mich ist ein Besuch auf dem SkyDeck im 103. Stockwerk des SearsTowers,
des höchsten Gebäudes der Erde. Die Aussicht ist fantastisch! Besonders
bei blauem Himmel und Sonnenschein. Wir beschliessen, den geplanten Museumsbesuch
eben wegen des Wetters auf "nächstes Mal" zu verschieben und
gehen statt dessen zum Navy Pier, einem ehemaligen Hafengelände, das zu
einem Mini-Disney-und-Mega-Einkaufs-Land umgebaut wurde. Nach dem Mittagessen
im "BeBob Jazz Club" mit Live-Musik gibt mir das Riesenrad "Ferris
Wheel" nochmal die Gelegenheit, Chicago aus einer anderen Perspektive
zu sehen, dann ist es auch schon wieder an der Zeit, die 4stündige Heimfahrt
nach Iowa anzutreten. Insgesamt legen wir an diesem Tag eine Strecke zurück,
die in etwa der Entfernung Stuttgart - Kiel entspricht... think big in
America!
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20.03.2001. Time to say goodbye. Ich hasse Abschiede, weil ich immer
Angst habe, die Menschen nie wiederzusehen, die ich kennen gelernt habe.
Mist. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre mehr der rationale Typ... so
wie Joni, die auf dem Flughafen folgenden Spruch raushaut, als ich mich
gerade in Tränen auflösen will. "Mach' mir keine Szene, ich muss
hier leben!". Okay, das hilft! Auch, dass mein Anschlussflug von
St. Louis nach Atlanta kurzerhand wegen eines Regentropfens in Atlanta
gestrichen und ich umgebucht werde, lenkt mich von meinem Weltschmerz
ab... ich schaffe den neuen Flieger gerade so, mein Koffer bleibt dabei
auf der Strecke und kommt erst einen Tag nach mir in Stuttgart an. Mein
Gott, ist hier alles klein, denke ich, als ich mich auf der Autobahn nach
Hause wiederfinde. Die Autos links und rechts sind so verdammt nah dran,
wenn man amerikanische Highways gewöhnt ist. Good old Germany hat mich
wieder...
Anmerkung: Auch im Jahr 2002 fand das Seminar statt. Ich konnte leider
nicht daran teilnehmen - ausgerechnet, als Mark mit einem echten Bogen
den Zusammenhang zum Bow Spread erklärte...! Danach ist mein Kontakt zu
Joni und Mark eingeschlafen.
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